Vorsorge

Osteoporose – eine unterschätzte Volkskrankheit

Die Osteoporose wird heute von der WHO zu den 10 wichtigsten Volkskrankheiten gezählt. Etwa ein Drittel aller postmenopausaler Frauen erleidet eine osteoporotische Fraktur. Das Risiko, an den Komplikationen einer Schenkelhalsfraktur zu sterben, entspricht bei Frauen dem Risiko, an Brustkrebs zu sterben. In Deutschland leiden etwa 7 Millionen Patienten an Osteoporose, mit steigender Tendenz. Pro Jahr treten etwa 100.000 Schenkelhalsfrakturen bei zugrundeliegender Osteoporose auf, diese allein verursachen in Deutschland jährliche Folgekosten in Höhe von über 3 Milliarden Euro. Trotz dieser gesellschaftlichen Bedeutung ist die Volkskrankheit Osteoporose aber immer noch unterschätzt, unterdiagnostiziert und vor allem untertherapiert. Nur 10-15% unserer Osteoporosepatienten werden heute leitliniengereicht behandelt. Müssen aber die älteren Menschen Frakturen mit den Konsequenzen der Schmerzen, Bewegungseinschränkung und sozialen Isolation „schicksalhaft“ hinnehmen? Wir kennen inzwischen die Risikofaktoren sehr genau und haben wirksame Medikamente, sodaß jede Osteoporose vermeidbar und im frühen Stadium auch heilbar ist - eine Erkenntnis und Chance, die von Ärzten und Patienten erst langsam realisiert wird.

Osteoporosevorsorge – eine Mischung aus klinischen, bildgebenden und laborchemischen Informationen

Noch vor wenigen Jahren wurde die Diagnose Osteoporose erst gestellt, wenn sich der Patient mit einer schmerzhaften Fraktur vorstellte. Mit Einführung effektiver Medikamente kann heute die Osteoporose aber bereits im meßtechnischen Stadium geheilt werden. Zur Abschätzung des Risikos sollte daher von Patient und Arzt frühzeitig gemeinsam das Risikoprofil erstellt werden. Folgende Risikofaktoren sind nach den Leitlinien besonders zu gewichten und gehen neben der Knochendichte und dem Vorliegen von Wirbelfrakturen mit in die Therapieentscheidung ein:

  • Periphere Fraktur

  • Schenkelhalsfraktur eines Elternteils

  • Nikotinkonsum

  • Glukokortikoid-Therapie

  • Multiple Stürze

  • Immobilität

Nach den weltweit anerkannten Leitlinien kann die Osteoporose bereits vor den Knochenbrüchen mittels der DXA-Knochendichtemessung an der Hüfte und Lendenwirbelsäule diagnostiziert und einer effektiven Therapie zugeführt werden. Wenige laborchemische Untersuchungen sind für eine weitere Charakterisierung der Osteoporose ausreichend.

Was macht die Integration des Bayerischen Osteoporosezentrums im DiVo Care Zentrum so einzigartig?

Mit der Integration des Bayerischen Osteoporosezentrums in das Diagnostik-Vorsorge-Therapie-Zentrum (DiVo Care) sind jetzt die Voraussetzungen für ein kompetentes, umfassendes und rationelles Osteoporose-Management geschaffen. Neben einem modernen DXA- Gerät für die Messung der Knochendichte stehen bei Bedarf auch modernste MRT (3-Tesla Kernspin Tomograph) und CT-Geräte zur bildgebenden Abklärung von Veränderungen des Bewegungsapparates zur Verfügung. Interdisziplinäre Kooperationen mit modernen, spezialisierten Laborgemeinschaften und mit den Kollegen des Klinikums rechts der Isar (Technische Universität München) runden das Betreuungsangebot ab. Bewährt hat sich insbesondere die traditionsreiche Kooperation mit Orthopäden, Gynäkologen und Internisten.

Warum ist die DXA-Knochendichtemessung in der Diagnostik der Osteoporose unentbehrlich?

Im Mittelpunkt der Diagnostik steht die Knochendichtemessung. Schon die Verminderung der Knochendichte um 10% geht mit einer Verdoppelung des Frakturrisikos im Bereich der Wirbelsäule und einer Verdreifachung im Bereich des Oberschenkelhalses einher. Sie liefert folgende Informationen:

  • Sie entdeckt eine Osteopenie oder eine Osteoporose noch vor Auftreten von Frakturen.

  • Sie sagt das Risiko einer späteren Osteoporose voraus.

  • Sie zeigt die Rate des Knochenverlustes („Progression“) in Kontrollmessungen.

  • Sie dokumentiert die Wirksamkeit oder auch Erfolglosigkeit einer Behandlung.

  • Sie kontrolliert und erhöht die Compliance des Patienten.

Was ist die DXA-Knochendichtemessung?

Die DXA Methode (dual energy x-ray absorptiometry), auch DEXA oder QDR bezeichnet, ist heute weltweit die einzig zugelassene Methode zur Diagnosestellung und für die Therapieentscheidung! Gemessen werden die Lendenwirbelsäule und die Hüfte. Wichtige Vorteile dieser Methode sind:

  • Sie ist nicht invasiv.

  • Sie stellt keine Belastung für den Patienten dar.

  • Sie ist in wenigen Minuten durchzuführen.

  • Sie ist preiswert.

  • Sie hat eine sehr geringe Strahlenbelastung (nur 1/10 bis 1/100 einer normalen Röntgenaufnahme).

  • Sie mißt die für die Osteoporose empfindlichsten und frakturgefährdetsten Skelettstellen.

  • Sie mißt sehr genau und ist ideal für Kontrollmessungen.

  • Der für die Diagnosestellung wichtige T-score ist nur mittels der DXA-Messung zu ermitteln.

Andere Meßmethoden wie die Ultraschallmessung an Ferse oder Phalangen, die QCT an der Wirbelsäule oder die pQCT an Radius oder Tibia mögen zusätzliche Informationen hinsichtlich des Frakturrisikos oder eindrucksvolle dreidimensionale Bilder der Knochenstruktur liefern, erlauben aber nicht eine leitliniengerechte Diagnose oder gar die Stellung einer Therapieindikation!

Wann ist eine DXA-Knochendichtemessung indiziert?

Bei folgenden Personengruppen ist eine vorsorgliche DXA-Knochendichtemessung sinnvoll:

  • Alle Frauen über 50 und alle Männer über 60 Lebensjahre

  • Alle Personen mit einem oben aufgeführten schweren Risikofaktor, unabhängig vom Alter und Geschlecht

  • Alle Patienten mit stattgefundenem Knochenbruch

  • Alle Patienten mit knochenschädigenden Erkrankungen bzw. Medikamenten

Im meßtechnischen Stadium der Osteoporose kann die Knochendichte und damit das Frakturrisiko noch vollständig normalisiert werden – eine große Chance, die man angesichts der einfachen Diagnostik nutzen sollte!